Walter Schröder - Ein Leben für die Musik

Am 1. Februar 2007 verstarb der Niebüller Musikpädagoge Walter Schröder im Alter von 90 Jahren.
Mit ihm hat die Stadt einen Mitbürger verloren, der sich jahrzehntelang für die Musik engagiert hat.

Mit fachlicher Kompetenz und viel Einfühlungsvermögen verstand er es, Generationen für die Musik zu begeistern.

Der Lebensweg von Walter Schröder hatte zunächst nicht nach einer musik-pädagogischen Karriere ausgesehen.

So wurde er am 28. Juni 1916 in der Berliner Schumannstraße als Sohn eines Garde-Ulanen geboren.
Er wuchs in der damaligen Reichshauptstadt in der Nähe des Bahnhofs Friedrichstraße auf, besuchte die 26. Volksschule und schloss mit dem Einjährigen am Dorotheenstädtischen Gymnasium ab.
Nach der Konfirmation in der Kirche an der Phillipstraße erlernte er im weltberühmten Hotel "Adlon" den Beruf des Kochs, als der er auch nach dem Lehrabschluss arbeitete und unter anderem für Prominente wie Marlene Dietrich, Emil Jannings, Hans Albers, Richard Tauber und den Maharadscha von Patiola kochte.

Mit der Musik hat er sich seit früher Kindheit befasst. Die Mutter spielte Klavier. Als Sechsjähriger gehörte er dem Turnverein TG Berlin an, in dem jede Turnstunde mit Gesang begann. Bei den Pfadfindern hatte er erstmals eine Handharmonika "vor der Brust", doch ernsthaften privaten Akkordeon-Unterricht nahm der junge Mann erst bei Konzertmeister Ilmer. Sport und Musik begleiteten ihn auch weiterhin. So wurde er mit dem Polizei-Sportverein zweimaliger Berliner Jugendhockeymeister.
In den dreißiger Jahren hatte Walter Schröder in einer Fünf-Mann-Band Tanzmusik gemacht.

Während des Krieges war Walter Schröder in Frankreich und Russland, wo er in Gefangenschaft geriet.

Dort eignete er sich Fertigkeiten auf der Gitarre und auf dem Schlagzeug an.
Als er nach 5 Jahren aus der Gefangenschaft entlassen wurde, arbeitete er zunächst bei den Amerikanern in Bad Nauheim, wo er seine Frau Käthe kennen lernte, eine Nichte des berühmten Sönke Nissen, die dort zur Kur war. Walter Schröder zog 1950 nach Klockries, wohnte im Hause Sönke Nissens, heiratete 1951 und arbeitete vorübergehend beim Deichbau.
1952 ging er nach Trossingen, wo er von Hermann Schittenhelm, dem "Turnvater Jahn des Akkordeons", zum Akkordeonlehrer ausgebildet wurde. Noch im selben Jahr begann er in Niebüll und der weiteren Umgebung zu unterrichten, wobei der Anfang schwer war, da er Hausbesuche per Motorrad machen musste.
Als er und seine Frau 1956 ein Haus in der Kieler Straße bauten, standen endlich auch geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung.

In Schröders "Musikstube", in Schulen und in Vereinen haben nach grober Schätzung 5000 bis 6000 Schüler das Musizieren auf dem Akkordeon, der Handharmonika, der Mundharmonika, dem Klavier, dem Keyboard,  der Melodika oder der Gitarre erlernt. Viele davon, die sich auch schon in der zweiten Generation die Türklinke in die Hand gaben, haben eine musikalische Laufbahn eingeschlagen z.B. als Organist, Bandleader, Musik-Fachlehrer, Musikpädagoge oder Profimusiker.
Dass Walter Schröder so viele Schüler erreicht hat, lag nicht zuletzt an seiner Präsenz im Unterricht und an seinem großen Enthusiasmus für die Musik. Er war ehrlich interessiert an Demjenigen, der da vor ihm saß und bemühte sich leidenschaftlich, die gleiche Begeisterung bei den Lernenden zu wecken.

Von seiner Tätigkeit als Musikpädagoge profitierte vor allem auch der 1949 gegründete 1. Harmonika-Club Niebüll e.V., der durch seine Jahreskonzerte bekannt ist und dessen Orchester und Ensembles bei vielerlei Anlässen in Niebüll und Umgebung die Menschen erfreuten und erfreuen.
Sowohl Sohn Hans-Jürgen, der in Eckernförde eine Akkordeonschule und einen Akkordeonverein gegründet hat, als auch Tochter Ute, die in Niebüll das Schülerorchester des Harmonika-Clubs leitet und Musikunterricht
erteilt, sind in Walter Schröders Fußstapfen getreten. Das Gleiche gilt für Martin Gehrke, einen seiner früheren Schüler, der seit 1997 das 1. und 2. Orchester des Clubs dirigiert und selbstständiger Musikpädagoge ist.

Walter Schröder ist vom Kreisjugendring, dem Deutschen Harmonika-Verband und dem Akkordeon-Lehrer-Verband mit hohen Auszeichnungen dekoriert worden. Außerdem hat ihn der 1. Harmonika-Club Niebüll  im Jahre 1997 zum Ehrendirigenten ernannt.
Trotz seines hohen Alters war Walter Schröder immer Neuem gegenüber aufgeschlossen und voller Tatendrang. So unterrichtete er einige wenige Schüler auch noch in seinem 90. Lebensjahr.
Das Geheimnis seines Erfolges addierte er aus zehn Prozent Talent und 90 Prozent Arbeit, gewürzt mit einer Portion Glück.
"Ich hätte das alles nicht geschafft, wenn ich nicht meine Käthe zur Seite gehabt hätte", lobte der engagierte Musiklehrer seine bessere Hälfte, die ihm in all den Jahren eine unentbehrliche Stütze war.

Am 6. August 2014 verstarb seine Ehefrau Käthe Schröder im gesegnet Alter von 95 Jahren. Wir sind dankbar für die stetige Unterstützung und Gedenken ihrer in tiefer Dankbarkeit.